Gewählte Kandidaten für den Rat der Gemeinde Ahnsen
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
die Mitglieder der SPD Fraktion im Rat der Gemeinde Ahnsen, setzen
sich dafür ein, dass sich die Menschen in ihrer Gemeinde wohl
fühlen. Bei allen Entscheidungen der kommenden Jahre orientieren wir uns
weiterhin an den Bedürfnissen und aktuellen Themen, die die Menschen in Ihrer
Heimatgemeinde bewegen. Wir wollen eine lebendige Bürgergemeinschaft mit einem
generationsübergreifenden Miteinander.
SPD Fraktion im Rat der
Gemeinde Ahnsen
Ahnsen / Bürgermeister-Interview
„Die Spaltung des Dorfes macht mir Bauchweh“
Ahnsen. Entscheidet das Gericht gegen das Begehren der
Bürgerinitiative, steht das neue Jahr ganz im Zeichen des Baus eines
Klinikums an der Grenze der Gemeinde. Der „Frontmann“, der zwischen
Gegnern und Befürwortern moderieren und noch dazu Schaden vom Dorf
abwenden muss, ist Klaus Hartmann. Redakteur Dr. Thomas Wünsche hat
mit dem Ahnser Bürgermeister gesprochen.
Herr Hartmann, Sie treten als Nachfolger von
Bürgermeister Heinz Grabbe in für die Gemeinde bewegten, schwierigen
Zeiten in große Fußstapfen. Und Sie sind noch dazu voll berufstätig.
Warum tun Sie sich das an?
Zum einen, weil ich seit zehn Jahren im Rat bin, mich in Ahnsen sehr
wohl fühle und mich für das Dorf einsetzen will. Die Bürger haben mir am
11. September 2011 ihr Vertrauen ausgesprochen; ich habe für die SPD die
meisten Stimmen geholt und sehe mich jetzt in der Pflicht. Im
Arbeitskreis „Erschließung Klinikum“ habe ich bereits zwischen Mitte
Januar 2011 und Ende März 2011 gezeigt, dass ich in der Lage bin, ein
Team zu führen, denn als solches sehe ich den Gemeinderat an. Ahnsen
braucht einen aktiven Bürgermeister, auch wenn alles eines Tages auf
größere Einheiten zusteuert. Mein Vorgänger Heinz Grabbe war noch
Bürgermeister und Gemeindedirektor in Personalunion. Um den
Arbeitsaufwand zu reduzieren, haben wir das Amt nun aber gesplittet;
wenn man heutzutage berufstätig ist, kann man beides meines Erachtens
nach nicht mehr alleine wuppen; der Zeitaufwand, den der Verwaltungskram
verschlingt, ist deutlich größer als früher geworden.
Sie sind zwar Mitglied der SPD-Fraktion, haben aber kein Parteibuch.
War diese Liaison ein Zufallsprodukt? Könnten Sie also ebenso gut auf
der Bank von CDU-Fraktionschef Carsten Borrmann sitzen?
Theoretisch ja, praktisch nein. Ich bin schon immer Sympathisant der SPD
gewesen und war zwischendurch auch mal Parteimitglied, habe mein
Parteibuch aber dann aus persönlichen Gründen zurückgegeben. Gleichwohl
stehe ich der SPD noch immer nahe. Das hält mich aber nicht davon ab,
mich im Rat als neutraler Mittler zu sehen.
Wie ist die aktuelle Kassenlage des Dorfes – und wie wird sie sich im
Laufe des Jahres 2012 voraussichtlich entwickeln?
Die Kassenlage ist zurzeit gut. Ahnsen ist dank der ausgezeichneten
Arbeit von Heinz Grabbe frei von Schulden; das soll auch künftig so
bleiben. Wir haben aktuell eine Rücklage von etwa 360 000 Euro. Diese
Rücklage werden wir aber nur ganz behutsam antasten, denn wir werden ja
mit dem Ausbau der L 451 inklusive Radweg nach Vehlen belastet werden –
voraussichtlich in einer Höhe von etwas mehr als 200 000 Euro. Ganz
genau wissen wir das noch nicht. Dennoch wird die Rücklage bis Ende 2012
tendenziell ein wenig schrumpfen, denn wir wollen ja auch noch etwas
investieren.
Wenn Sie ins neue Jahr blicken: Was macht Ihnen persönlich bezogen
auf Ahnsen am meisten Bauchweh?
Das habe ich persönlich bei der Spaltung des Dorfes in Sachen Klinikum.
Genauer, angesichts des Unfriedens, der von außen in unsere tolle
Gemeinschaft hereingetragen wurde. Zwar ist diese Gemeinschaft im Großen
und Ganzen nach wie vor intakt, es gibt jedoch leider einige Gräben. Die
wollen wir im Rat durch eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit und
Information der Bürger schließen. Magenschmerzen macht mir aber auch die
Erschließung der Baustelle; das ist der Part, der uns Ahnser im Zuge des
Planfeststellungsverfahrens noch betrifft.
Sie sagen es: Die Kontroverse um den Neubau eines Klinikums hat im
Dorf tiefe Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern gerissen. Wie ist
die derzeitige Stimmung unter den Einwohnern?
Nach außen hin sieht es oft so aus, als würden alle Ahnser gegen den
Standort des Klinikums sein. Dem ist nicht so. Es hat ja nie eine
Befragung gegeben: Wer ist für das Klinikum, respektive den ins Auge
gefassten Standort? Laute Stimmen sind von den Gegnern gekommen, noch
nicht mal leise Stimmen von den Befürwortern. 330 Ahnser Bürger haben
damals die Petition gegen den Standort unterschrieben; es ist aber nie
abgefragt worden, wie viele der 1161 Ahnser dafür sind. Wir haben 960
Wahlberechtigte. Das heißt also, ein gutes Drittel ist dagegen – aber
was ist mit den anderen zwei Dritteln? Diese Frage ist nie gestellt
worden.
Der Ahnser Rat hat sich niemals per Beschluss geschlossen für oder gegen
den Standort des Klinikums positioniert; es gab nur Einzelstimmen. Wir
haben nur gesagt: Wir machen die Bauleitplanung. Im Januar 2011 sind wir
in diese Planung eingestiegen, haben sie dann im Juli 2011 in die
Planfeststellung revidiert. Diesen Schachzug haben wir bewusst gewählt,
weil wir im Rat von Anfang an der Auffassung waren, dass wir auf die
Bauleitplanung keinen so großen Einfluss gehabt hätten. Wir brauchten
diese sechs Monate, um unsere Hausaufgaben zu machen, die Ausarbeitungen
im Arbeitskreis abzuschließen und mit dem Landkreis in die Verhandlungen
einzutreten. Ich bin überzeugt: Hätten wir gleich im Januar 2011 Nein
gesagt und mit Mehrheitsbeschluss im Rat auf Planfeststellung gedrängt,
hätten wir das jetzige Ergebnis nicht erzielen können.
Was möchten Sie als Bürgermeister den Ahnsern mit Blick aufs geplante
Klinikum sagen?
Die Gemeinde Ahnsen entscheidet weder über das Klinikum noch über den
Standort; das kann man nicht genug betonen. Das (Beckmann-)Gutachten der
Bürgerinitiative steht dem Gutachten des Landkreises gegenüber. Sollte
die Bürgerinitiative mit ihrem berechtigten Einspruch per
Gerichtsbescheid gewinnen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei mehr als 90
Prozent, dass es dann im Landkreis Schaumburg mindestens in den
kommenden fünf Jahren überhaupt kein Klinikum geben wird. Denn mit dem
Gutachten wäre der Standort Obernkirchen hinfällig – und zwar alle
Alternativstandorte eingeschlossen. Das wiederum würde bedeuten, dass
der Landkreis seine Versorgungspflicht nicht erfüllen könnte. Die
medizinische Versorgung würde also nicht besser werden; ob sie
schlechter würde, lasse ich dahin gestellt. Da sollte jeder Ahnser mal
drüber nachdenken.
Dass der ins Auge gefasste Standort vielleicht nicht ganz glücklich
gewählt ist, das sehen viele von uns im Rat auch so. Doch solange der
Suchraum Obernkirchen vom Kreistag vorgegeben bleibt, sehe ich keine
Alternativen.
Abgesehen von der Erschließungsstraße für das Klinikum: Was steht
2012 an Projekten auf der Agenda? Was will der Rat wann abarbeiten?
Zunächst werden wir uns im Planfeststellungsverfahren intensiv um den
Baustellenverkehr kümmern; das wird insbesondere mein persönlicher
Schwerpunkt werden – wenn es denn mit dem Klinikum so kommt. Diese
Belastungen müssen wir für die Ahnser so gering wie irgend möglich
halten. Dazu gehören Eingaben an den Landkreis in Sachen Querungshilfen
auf der K 10 – und wenn’s nur temporäre sind. Auch die Sicherung des
Schulweges ist in diesem Zusammenhang ein ganz wichtiges Thema, aber
auch eine Einbahnstraßenlösung für die L 451. Und wir wollen auf gar
keinen Fall, dass der Baustellenverkehr über Straßen innerhalb der
Gemeinde rollt. Definitives können wir aber erst sagen, wenn die Pläne
vorliegen, die Auslegung beginnt und wir als Behörde unsere Eingaben
machen. Einsehen können die Bürger das alles dann nicht nur im Rathaus
der Samtgemeinde, sondern auch im Internet – und zwar sowohl auf der
Homepage der Samtgemeinde als auch auf derjenigen der Gemeinde Ahnsen,
die voraussichtlich ab Mitte Februar online sein wird.
Außerdem steht der Ausbau der L 451 an; auch da werden wir uns in die
Planfeststellung, die 2012 beginnt, intensiv einbringen. Das schließt
den Radweg bis zur Kreuzung K 73 in Richtung Vehlen mit ein; hoffentlich
macht Obernkirchen das Gleiche. In diesem Zusammenhang werden wir
intensive Gespräche mit den Anwohnern führen.
Stichwort Sportplatz: Da besteht dringend Handlungsbedarf – oder?
Ja. Wir haben die dringend nötige Sanierung des Sportplatzes ganz weit
vorn auf unserer Agenda. Der TSV Ahnsen mit seinen mehr als 140 im
Spielbetrieb befindlichen Kindern sowie seinen vier Herrenmannschaften
erhält massive Sicherheitsauflagen vom Fußballverband. Denn der Rasen
ist in seinem jetzigen Zustand nicht mehr bespielbar; es hat schon die
ersten Bänderrisse gegeben. Angebote für eine Sanierung haben wir
bereits eingeholt. Saniert werden muss aber auch der angrenzende
Bolzplatz.
Was den Spielplatz betrifft, haben wir bei einem Rundgang auch dort
einige Juckepunkte gefunden: So müssen wir Geräte reparieren, um auch
dort die Sicherheit weiter gewährleisten zu können.
Im Dorf als Ganzes sind Gehwege durch Baumwurzeln beschädigt worden. Da
müssen wir ebenso ran wie an die Bushäuschen sowie die öffentlichen
Grünflächen.
Mittelfristig wollen wir uns dann um das Energiekonzept des
Mehrzweckhauses kümmern, Energieexperten fragen und auch hier Angebote
einholen. Ein Umsetzen des Konzeptes kommt aber erst in Frage, wenn wir
die Kosten für die L 451 ermittelt haben und absehen können, wie viel
Geld uns noch bleibt.
Presse 06.01.2012
Quelle:
Schaumburger Zeitung.de
